Sabine Pelz – Stellungnahme zur Teilschulnetzplanung: „Dies bedeutet effektiv weniger Platz pro Schüler“

In der letzten Sitzung des Kreistages vom 11. Oktober 2021 haben die Rätinnen und Räte die Fortschreibung des Teilschulnetzplanes für allgemeinbildende Schulen und Schulen des zweiten Bildungsweges beschlossen. Die grüne Kreisrätin Sabine Pelz hatte zu diesem Tagesordnungspunkt eine Stellungnahme abgegeben und hierbei auf einige kritische Punkte bei der Schulnetzplanung hingewiesen:

„Der vorliegende Teilschulnetzplan berichtet darüber, wie für die kommenden 5 bis 10 Jahre der Bedarf an allgemeinbildenden Schulen in unserem Landkreis gedeckt werden soll. Die positive Aussage daraus ist, dass für alle Schulen der Bestand gesichert ist.

Das Ziel der Schulplanung wird dahin gehend definiert, Schülerinnen und Schülern einen wohnortnahen Schulplatz bereit zu stellen. Die ‚Art und Weise‘ beschränkt sich dabei gegenwärtig auf das Vorhandensein von ausreichend physischen Schulplätzen. Eine klare Definition, was ‚wohnortnah‘ bedeutet, fehlt allerdings.

Mehrbedarfe sollen in erster Linie durch die Aufstockung von Klassenstärken bis zu 28 Kinder erfolgen. Dies bedeutet effektiv weniger Platz pro Schüler, weniger Bewegungsfreiheit, weniger Möglichkeiten von alternativen Unterrichtsformen gegenüber dem Frontalunterricht. Zusätzliche Anforderungen aus Inklusion, Integration, Schulwechsel können so nur sehr erschwert oder gar nicht erfüllt werden. Darüber hinaus gehende Mehrbedarfe sollen durch Umlenkung auf andere Gemeinden ausgeglichen werden. Dies widerspricht unserer Auffassung nach dem wohnortnahen Ansatz.

Wir vermissen in der Planung außerdem Qualitätsstandards an die Schulplätze bezüglich deren Ausstattung, Raumgrößen, Vorhandensein von Sportplätzen, Fachkabinetten, Aufenthaltsmöglichkeiten. Kinder und Jugendliche brauchen zum Lernen nicht nur einen Platz, sie brauchen Raum für Experimente, für kreatives Gestalten, für konzentriertes Lernen und Selbststudium. Wenn der Arbeitstisch in der Regel nicht breiter als 60 cm ist, der Gang zwischen den Bankreihen nicht einmal 1 m beträgt und der Vordermann mit dem Rücken an die eigene Bank anstößt, ist dies tagtäglich zusätzlicher Stress. Ebenso sind Schulklassen mit 28 Kindern für die Lehrerinnen und Lehrer eine enorme Belastung und erschweren die Vermittlung des Lernstoffes.

Machen wir uns bewusst, dass unsere Kinder in der Schule die Grundlagen fürs Leben lernen, soziale Bindungen entstehen und gepflegt werden, gesellschaftliche Verantwortung übernommen werden soll. Kinder und Jugendliche sind 5 Tage die Woche bis zu 8 Stunden in der Schule und benötigen hierfür nicht nur ‚einen Platz‘, sondern optimale Bedingungen.

Wir als Bündnis-Grüne werden diesem Teilschulnetzplan deshalb nicht zustimmen. Aus unserer Sicht ist die Zielsetzung der Planung nicht ausreichend.

Ausdrücklich unterstützen wir die Aussage, dass der ‚Landkreis als Träger der Schulnetzplanung … aus diesem Grund an das Sächsische Ministerium für Kultus‘ appelliert, ‚die finanzielle Förderung im Bereich des Schulhausbaus zu verstärken‘. Nur so kann künftig eine Deckung des Bedarfs an wohnortnahen Schulplätzen gesichert werden.“

In ihrer Erwiderung auf polemische Angriffe von CDU- und AfD-Räten zu ihrer Stellungnahme ergänzt Sabine Pelz:

„Ein großes Dankeschön geht an die Mitarbeiter*innen der Verwaltung für diese umfangreiche und detaillierte Arbeit.

Es ist allerdings auch sehr bedauerlich, dass es im Landkreis SOE keinerlei Angebote für einen 2. Bildungsweg gibt. Wenn also Frauen und Männer in einem späteren Lebensabschnitt das Abitur nachholen wollen, müssen sie dazu nach Dresden fahren, wie im Bericht verwiesen wird. Das halten wir vor allem für die grenznahen Regionen als unzumutbar, dafür ein, zwei Stunden Fahrtweg in Kauf zu nehmen.

Als Vertreterin der Musik-, Tanz- und Kunstschule Bannewitz bitte ich außerdem das Landratsamt um eine Teilschulnetzplanung für die Musikschulen im Landkreis, um Planungssicherheit für die Unterrichtsräume und die Verteilung in der Fläche zu haben.“

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